Kinderwunsch beenden- Der Moment, in dem man aufhört zu kämpfen
Gibt es ein Ende ohne Kind im Kinderwunsch?
Und wenn Ja, wie kann es aussehen?
Es gibt Frauen die können einen klaren Schlussstrich ziehen. Machen nach der ICSI einfach Schluss. Es gibt da aber auch viele andere Frauen, die sich sehr schwer tun. Argumente hin und her wälzen. Loopings drehen auf der Gefühlsachterbahn und sich dann mental vollkommen erschöpft, mit großer Resignation im Schlepptau geschlagen geben. Oder die Frauen, die ihren Kinderwunsch schon vor Jahren ad acta gelegt haben und nun, mit Einsetzen der Wechseljahre das letzte, tief verborgene Fünkchen Hoffnung zu Tage tritt, um den Kinderwunsch endgültig für dieses Leben zu begraben.
Manches mal bleibt der Wunsch leider ein Wunsch. Auch wenn man noch so viel unternommen, sich gesund ernährt und diverse Untersuchungen, wie Eingriffe über sich hat ergehen lassen. Und da ist er wieder: Dieser Moment der Ohnmacht. So oft habe ich ihn mit meinen Kinderwunschfrauen in den letzten Jahren erlebt.
Der Kinderwunsch - das "In das Leben hineinkommen" - ist ebenso, wie der Tod - das "aus dem Leben herausgehen" - einer der wenigen Momente in unserem Leben, die wir nicht kontrollieren können. Die nicht in das Gefüge von "ich tue, also bekomme ich" hineinpassen. Eine bittere Erfahrung, die viele Kinderwunschpaare erleben und in der so viel Kraft und Demut für das Leben an sich zu finden ist.

Warum wünschen Sie sich ein Kind?
Oft stelle ich im Verlauf der naturheilkundlichen Begleitung die fast provokante Frage: "Warum wünschen Sie sich ein Kind?" Diese stelle ich nicht, weil ich meinen Patientinnen unterstelle Sie wünschen, wollen, möchten, unternehmen nicht genug. Um sie zu noch mehr "wollen" anzutreiben. Nein! Viel mehr möchte mit dieser Frage Distanz schaffen. Distanz zu der sehr stark aufgeladenen Situation, in der sich sich befinden. Distanz und gleichzeitig eine Rückverbindung zu dem innigen Wunsch nach Elternschaft. Auch ist es nicht so, dass ich eine bestimmte Antwort erwarten würde.
Im Kinderwunsch reist man von Haltestelle zu Haltestelle
Ich beobachte immer wieder, wie die Paare im Verlauf der Kinderwunschreise an, ich nenne sie "bus stopps" kommen. Also Bushaltestellen. Zeitpunkte auf der Reise, die zwischen zwei Phasen eines Kinderwunschwegs liegen. Sie sind wichtige Haltestellen, die typischerweise auf erfolglose Therapieversuche folgen und einen Moment der Stille im Kinderwunschzirkus einfordern. "Dieses Jahr haben wir noch drei Versuche in der Klinik geplant", höre ich immer wieder in den Behandlungen. Und sind diese drei Versuche durchgeführt und noch kein positiver Schwangerschaftstest in Sicht, dürfen neue Pläne geschmiedet werden, Grenzen überdacht und oftmals neu ausgerichtet werden. Neue Optionen, wie die bisher nicht gewollte ICSI oder Eizellspende werden diskutiert, argumentiert und mental hin und her gedreht. Meist kommen die Paare in genau solchen Situationen zu mir in die Naturheilpraxis, um sich zusätzliche Unterstützung und alternativen Rat einzuholen. Mit jedem bus stopp drängt sich gleichzeitig immer mehr die Frage auf "Wie weit noch? Wann ist für uns Schluss?" Diese Frage begleitet die Paare wie der sprichwörtliche unsichtbare Elefant im Raum. Und die zugleich eine Antwort fordert, welche viel Energie, Mut und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst benötigt.
Um zu einer für sich stimmigen Antwort zu gelangen, sollte man sich vor Augen führen, dass der Kinderwunsch, wie bereits erwähnt, keiner Ratio folgen muss. Nur weil das Paar wirklich alles unternimmt, kann der Wunsch einfach unerfüllt bleiben. Einfach so - in den meisten Fällen gibt es nicht einmal eine sinnvolle medizinische Erklärung. SINNvolle Erklärungen, sagt schon das Wort an sich, können aber auf anderen Ebenen zu finden sein: systemisch, emotional oder spirituell.
Die Einladung deines Lebens
Ich sehe als ganzheitlich behandelnde Therapeutin den Kinderwunsch immer auch als Einladung des Lebens seinen Blick auf eben dieses zu erweitern. Gerade im Verlauf einer holprigen Kinderwunschreise dürfen wir lernen, dass nicht alles im Leben mit dem Verstand zu lösen ist und viele Antworten eben auch nicht hier zu finden sind. Der Verstand bringt Argumente für oder gegen eine Entscheidung. Die Entscheidung an sich wird jedoch wo anders getroffen. Im Herzen mit einem Gefühl von Stimmigkeit, wenn auch unsere Intuition ihren Anteil zur Entscheidungsfindung beigetragen hat. Es bedarf sowohl der Öffnung hin zur eigenen Intuition, als auch die Anerkennung und Auseinandersetzung mit den feinstofflichen Welten. Beschreibt doch schon die traditionell chinesische Medizin (kurz TCM) eine energetische Verbindung zwischen dem Herzen und der Gebärmutter, bei der das Herz die Öffnung der Gebärmutter und damit die Empfängnis unterstützt. Die feinstofflichen Welten gehören genauso zu uns, wie das Grobstoffliche, dass wir mit unseren Augen erfassen können. Wissen ist in diesem Fall Macht (über sich selbst). Unwissenheit ist übrigens im Ayurveda eine Ursache für Krankheit im weiteren Sinne.
Was bedeutet es konkret sich mit dem Feinstofflichen auseinander zu setzen?
Denken wir unsere Frage "Warum wünsche ich mir ein Kind?" weiter. "Warum sollte es Aufgabe in meinem Leben sein einer Seele bei der Ankunft hier auf der Erde zu begleiten?" Von dieser Frage kommen wir schnell zur generellen Sinnfrage: "Was ist meine Aufgabe in diesem Leben?" Machen wir uns auf den Weg diese für uns ganz persönlich zu ergründen eröffnen sich neue Welten: weitere spirituelle Fragestellungen tauchen auf und wir sehen uns mit den universellen Gesetzen konfrontiert. Zum Beispiel dem Gesetz der Schwingung: Alles schwingt mit einer bestimmten Frequenz. Und diese Frequenz ist unter anderem davon abhängig, was wir denken, fühlen oder was wir von unseren Ahnen mitbekommen haben. Schaue wir aus der Perspektive des Familiensystems auf den Kinderwunsch können wir uns folgende Fragen stellen: Wie wurde mit Mutterschaft, Kindern und Schwangerschaften in der Vergangenheit umgegangen? Hier kann ein Blick auf die Familiengeschichte helfen den eigenen Kinderwunsch und die Energie, die wir mitbekommen haben zu verstehen. Lohnt es sich Mutter zu werden? Oder droht dann Entmündigung? Wie haben meine Vorfahrinnen Mutterschaft erlebt? Waren Schwangerschaften und Geburten bedrohlich oder gar tödlich? All diese Erlebnisse unserer Ahninnen prägen auch uns. Auf diese Spur kommt inzwischen auch die Wissenschaft und spricht dabei von Epigenetik. Vergegenwärtigen wir uns doch immer mal wieder, dass die Eizelle, aus der wir uns entwickelt haben, bereits angelegt war, als unsere Mutter als Ungeborenes im Leib unserer Großmutter verweilte. Und all die Eindrücke in dieser Zeit auch uns geprägt haben. Anders ausgdrückt stammen wir aus der Gebärmutter, der Gebärmutter, der Gebärmutter [...] unserer Urahnin. Auf jeder Ebene bis zu uns wurde von jeder Generation Energie zurückgelassen. Förderliche, wie hinderliche Energie.
Unsere Gebärmutter ist ein komplexes energetisches Organ.
Gehen wir von der indischen Chakrenlehre aus liegt auf Höhe der Gebärmutter das Sakralchakra, das unter anderem mit Lebensfreude und unserem Anteil des inneren Kindes in Verbindung gebracht wird. Laut TCM entspringen in und um die Gebärmutter wichtige Energiebahnen, Meridiane genannt. Gleichzeitig wird die Gebärmutter von vielen anderen Meridianen durchzogen. Sie wird also über viele Kanäle von Lebensenergie durchströmt.
Zudem ist sie ein Vehikel, ein Hohlorgan, dass nicht nur einem heranwachsendem Kind Platz und Raum zur Entwicklung bietet. Sondern auch vielen Emotionen, Erfahrungen und Eindrücken, die wir im Laufe unseres Lebens machen oder eben mitbekommen haben. Sexuelle Kontakte, der Umgang mit unsrer Weiblichkeit oder emotionale Verletzungen, um nur einige Beispiele zu nennen. Beachten wir allein diese Aspekte, können wir erkennen, dass der Blick nur auf die körperliche Funktion unserer Fortpflanzungsorgane viel zu viel wichtige Information außen vor lässt. Auf der einen Seite können wir unter Umständen aus der oben genannten Betrachtung erkennen, dass Traumata und die Weitergabe dieser gelöst werden dürfen. Auf der anderen Seite können wir erkennen, dass die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch bei unseren Ahninnen und ihren Schicksalen mitbegründet sein kann und die Schuld, wenn man von dieser überhaupt sprechen sollte, nicht immer bei uns in unserem Leben zu suchen ist.
Wie in den letzten Jahrtausenden mit den Frauen umgegangen worden ist geht nicht spurlos an unseren Körpern vorbei.
Unsere Gebärmutter ist ein kreatives, schöpferisches Organ
Um auf unsere Eingangsfrage zurück zu kommen, hilft es auch zu wissen, dass unsere Gebärmutter in verschiedenen Kulturen als ein wichtiges kreatives Zentrum gesehen wird - sowohl grobstofflich als auch feinstofflich. Jede Idee, jedes Projekt wird hier entwickelt und geboren. Nicht ohne Grund spricht der Volksmund davon "mit einer Idee schwanger zu gehen". Die Gebärmutter auf die Produktion von Menschenkinder in einem begrenzten Zeitraum unseres Lebens zu reduzieren, wird ihr einfach nicht gerecht und bringt uns um einen großen Teil unseres Potentials. Nur weil deine Gebärmutter bis dato noch kein Kind in sich getragen hat, ist sie nicht defekt und du nicht weniger wert. Die Gebärmutter zeigt ihr Potential auf so vielen verschiedenen Art und Weisen. Wir müssen wissen, welche das sind sonst können wir sie nicht erkennen.
Wir wissen nicht, was das Leben mit uns vor hat! Uns die Frage zu stellen, welche nicht körperlichen Kinder und Ideen wir hingegen schon geboren und begleitet haben, könnte uns auf unserem Weg weiter bringen. Als immer weiter auf unseren Körper und Verstand fixiert zu bleiben. Auch kann das Wissen, um die energetischen Aspekte der Gebärmutter neue Ansatzpunkte bieten, die den Kinderwunsch in eine ganz neue Richtung lenken. Oder die helfen sein Ende friedlich annehmen zu können.
Die Antwort auf das Ende eines Kinderwunschs muss also kein Ende sein. Sondern der Anfang uns und unser Leben zu verstehen. Nimm' die Einladung deines Lebens an!
Deine Claudia

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