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Endometriose - Weiblichkeit auf Wanderschaft Teil I

 

Spätestens seitdem die Kampagne "EndoMarch" durch die  Weiten des Webs geschossen ist, reden wir in der Öffentlichkeit über Endometriose. In diesem Artikel möchte ich näher auf diese ominöse gynäkologische Erkrankung eingehen: eine Erkrankung, die bis dato in die Ecke "Hysterie" gehörte, den betroffenen Frauen den Alltag zur Hölle machen kann und doch wie ein Chamäleon daher kommt - man sieht sie nicht, aber dennoch ist sie spürbar da! Eine Erkrankung, die ihr eigenes Ding macht, durchaus mit Resistenz auf Medikamente reagiert und sich auch durch Operationen nicht sicher zum schweigen bringen lässt. Aber sie ist auch eine Erkrankung, bei der es sich lohnt hin zu hören, was sie zu sagen hat und mit viel Liebe zum eigenen Körper aus der Reserve gelockt, sowie beruhigt werden kann. Ich möchte euch mit nehmen auf eine ganz andere Entdeckungsreise zum Planeten "Endometriose". Los geht's! 


 

Endometriose - Das Chamäleon unter den gynäkologischen Diagnosen

"Schmerzen bei der Monatsblutung hat fast jede Frau. Damit müssen Sie leben!" "Entspannen Sie sich, dann klappt das schon mit dem Kinderwunsch!" Solche Sätze kennen Patientinnen mit Endometriose nur zu gut. Jahrzehntelang wurden sie bei der gynäkologischen Vorsorge damit abgespeist und gerne auch in die Ecke "Hysterische Tante" gestellt. Zu unrecht, wie sich in den letzten Jahren herausgestellt hat. Endometriose, die Wucherung von Gebärmutterschleimhaut (lat. endometrium, tunica mucosa uteri) an Stellen wo sie nichts zu suchen hat. Leider findet es die Schleimhaut bei manchen Frauen wunderbar Neuland zu entdecken: Man findet sie in Bauchhöhlen, an der Blase, den Eierstöcken, in den Eileitern und selten auch an anderen, gebärmutterfernen Körperregionen. Aber nicht nur das! Denn wir haben es hier mit einem kleinen Chamäleon zu tun: mal macht sie Schmerzen, mal nicht. Mal leiden die Frauen unter starken Monatsblutungen, mal nicht. Mal geht die Erkrankung mit eingeschränkter Fruchtbarkeit - da verklebter Eileiter- einher, mal wiederum nicht. Oder es finden sich gänzlich andere Symptome, wie Reizdarm oder Beschwerden beim Wasserlassen. Auch auf die Behandlung mit Schmerzmitteln oder gar Operationen, bei denen die Endometrioseherde weggeschnitten werden, ist kein Verlass. Sie ist schlecht zu fassen und nur im Rahmen einer Bauchspiegelung sicher zu diagnostizieren. Ein Grund warum es meist mehrere Jahre dauert bis die Betroffenen im Rahmen genau dieser Operation Gewissheit haben. Inzwischen wird Frauen, bei denen der Verdacht auf Endometriose besteht viel schneller eine solche Bauchspiegelung angeboten, oft im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung.

 

Die Therapie - man könnte meinen die Endometriose macht sich da nicht viel draus

Ja, wir haben es bei der Endometriose mit einem echten Schwergewicht zu tun: Schlecht zu diagnostizieren und dann auch noch zickig, wenn man ihr an den Kragen möchte. In der Regel wird symptomatisch behandelt, d.h. Schmerzmittel bei Schmerzen, die Pille zur Unterdrückung des Schleimhautwachstums bei starken Blutungen oder Eisenpräparate für diejenigen, die durch den Blutverlust in eine Blutarmut schlittern. Doch schnell musste Frau feststellen, dass diese Möglichkeiten nicht immer und dauerhaft Linderung bringen. In stressigen Situationen flackern die Beschwerden oftmals wieder auf, so dass Entspannungsübungen und vor allem sportliche Übungen, wie Yoga oder Pilates, welche die Durchblutung im Unterbauch und Beckenbereich fördern, die Therapieempfehlungen ergänzen. Jede Frau macht sich dabei auf ihren ganz persönlichen Weg raus aus der Fremdbestimmung durch die Endometriose hin zu einem lebenswerten Leben.

 

Meine Erfahrungen aus der Praxis: 

 

Die Toolbox für den Akutfall auf körperlicher Ebene

In meiner Naturheilpraxis gehört die Begleitung von Endometriosepatientinnen inzwischen zum Alltag. Und was soll ich sagen: wie immer ist die Behandlung und das Herangehen an diese "unliebsame Begleiterin" meiner Patientinnen individuell. In der Regel starten wir mit einer Hormonbestimmung, um den Status Quo der Betroffenen festzustellen. Nicht selten liegt eine hormonelle Dysbalance  vor, bei der die Menge an Estrogenen (relativ oder absolut) erhöht ist. Wenn auch die Ursache der Endometriose noch nicht abschließend geklärt ist, kann man eines festhalten: Wachstumshormone, zu denen auch die Estrogene gehören, lassen die Gebärmutterschleimhaut wachsen und die Beschwerden unter Umständen ansteigen. Unser Hormonsystem ist ein ausgeklügeltes, sehr feines Uhrwerk, dass gerne mal in Schieflage gerät und so Symptome anheizt. Liegt eine solche Schieflage vor, kann unter anderem mit homöopathischen und pflanzlichen Mitteln, sowie Nahrungsergänzungsmitteln versucht werden dieses wieder herzustellen. Habe ich Frauen vor mir Sitzen, die bereits eine Bauchspiegelung hinter sich haben und wissen, dass die immer wiederkehrenden Entzündungsherde der Endometriose zu Verwachsungen und Verklebungen geführt haben, behandle ich diese Frauen mit Hilfe der Therapeutischen Frauenmassage. Mit dieser Technik kann Spannung aus dem ganzen System genommen, die Gewebeschichten wieder mobilisiert und so Schmerzen reduziert werden. Es kommt im übrigen nicht selten vor, dass nach einer OP so manche Frau keine Veränderung ihrer Beschwerden spürt oder sich diese sogar verschlechtern. Kein Wunder! Meiner Meinung nach. Denn bei einer Bauchspiegelung wird nicht gerade zimperlich mit dem Gewebe und den Organen umgegangen. Oftmals spüre ich eine gewisse Unruhe im Unterbach der Patientinnen, wenn ich massiere. Diese gilt es erstmal zu beruhigen. Gerne leite ich den Frauen einen Teil der Therapeutischen Frauenmassage als Selbstbehandlung für zu Hause an. Selber ins Tun kommen und in positiven Kontakt zu diesem meist verhassten Körperteil zu kommen ist hier erstes Gebot. Oft stellen wir dann im Rahmen der Behandlung gemeinsam eine kleine "Toolbox" zusammen, die im akuten Fall zum Einsatz kommt. Von konventionellem Schmerzmitteln, über Massageanleitungen, warmen Bauchwickeln, ätherischen Ölen bis hin zu homöopathischen Mitteln kommt alles rein, was Abhilfe schaffen kann. So kann die Patientin der nächsten Akutsituation entspannter entgegengehen

 

 

Konnte die akute Not der Patientin gebannt werden, ist es im Folgenden Zeit sich einer anderen Sichtweise auf die Dinge zu widmen. Neben der klassisch schulmedizinischen Herangehensweise, ist mir sehr schnell aufgefallen, dass die energetische Bearbeitung des Themas für eine ganzheitliche Behandlung nicht fehlen darf. Was damit gemeint ist und warum es um die Wanderschaft der Weiblichkeit geht, erfahrt ihr im zweiten Teil dieser Blogserie.

Freut euch auf weitere spannende Aspekte rund um das Thema Endometriose und Weiblichkeit!  

 

Eure


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Kommentare: 1
  • #1

    Isabel (Samstag, 01 Oktober 2022 10:14)

    Ein großartiger Artikel! Danke Frau Wiesian!