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Mental Load bei Kinderwunsch - European Fertility Week 4.11.-10.11.2019

Die European fertility week steht vor der Tür! Diesen Anlass möchte ich nutzen, um über die mentale Belastung während der Kinderwunschzeit, ihre Auswirkung auf die Frau und ihren Körper, die Partnerschaft, den Freundeskreis und eigentlich das gesamte Leben zu schreiben. Ich möchte Betroffenen Impulse mit auf den Weg geben, wie sie ihren mental load positiv beeinflussen können und wie Freunde/Verwandte/ Bekannte diesen mehr Verständnis entgegen bringen können. Kinderwunsch ist mehr als Eisprung, Spermiogramm und Hormone! 


 

Die Organisation Fertility Europe hat sich zum Ziel gesetzt die Gesellschaft über die Daten und Fakten zum Thema "ungewollte Kinderlosigkeit" aufzuklären. In einem Wissenstest erfährt man wichtige Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Alter, Ernährung und ungewollter Kinderlosigkeit. Ich finde es eine tolle Idee dieses tabuisierte Thema ans Licht zu holen und es in der Mitte der Gesellschaft zu platzieren. Doch Kinderwunsch ist mehr: Neben diesen wissenschaftlichen Aspekten gibt es noch eine Menge weiterer Aspekte, die berücksichtigt werden sollten.

 

Die Stress-Spirale 

Wenn eine Frau oder optimalerweise das Paar in meine naturheilkundliche Praxis kommt, um auf dem Weg zu ihrem Wunschkind naturheilkundliche Unterstützung zu erhalten, dreht sich das Erstgespräch immer auch um die mentale Begleitung während dieser Zeit. Anspannung, Scham, Hoffnungslosigkeit oder Wut lösen in unserem Körper Stress aus. Stress, der uns körperlich belastet und Energie zieht. Oftmals besteht bei den Betroffenen auch ein sogenannter Diagnoseschock, wenn körperliche Ursachen, wie Endometriose, verklebte Eileiter oder sonstiges das ersehnte Kind in weite Ferne rücken lassen. Da in den Köpfen immer noch die Vorstellung verankert ist, dass die Frau sich um den Kinderwunsch kümmert, genauso wie auch später um die möglichen Kinder, sind Sie es oft, die energielos, abgeschlagen und nervlich zermürbt sind. Hormonelle Behandlungen tun dabei ihr übriges. Dies wirkt sich natürlich auch auf die Partnerschaft aus, insbesondere auf den Geschlechtsverkehr. Vor allem wenn dieser getaktet auf die fruchtbaren Tage der Frau nur noch als Mittel zum Zweck dient. Bei manchen Paaren kommt es irgendwann gar nicht mehr zu diesem, da sie sich in einer Stress-Spirale befinden. Und genau dann haben wir auch weniger Lust mit unserem Partner zu schlafen. Was wiederum den Druck weiter erhöht.

Darüberhinaus müssen sich die Paare in ihrem direkten Umfeld mit erfolgreichen Schwangerschaften, neu geborenen Kindern und darauffolgende weitere Schwangerschaften auseinandersetzen. Hier entsteht ein weiteres Spannungsfeld, das so manche Freundschaft auf eine harte Probe stellt. Und spätestens wenn dann alle befreundeten Paare und Geschwister Kinder haben, die Jahre ins Land gezogen sind und v.a. die Frau die 35 überschritten hat, wird auch Außenstehenden klar, dass hier evtl. etwas nicht stimmt. Direkt die mögliche Misere anzusprechen traut sich kaum jemand, weder die Betroffenen noch das Umfeld. Und genau hier liegt eine Möglichkeit den entstandenen Druck zu minimieren. Gespräche! Ich empfehle den Frauen und Männern, die in meine Praxis kommen, sich eine vertraute Person in ihrem Freundes-/Bekanntenkreis zu suchen mit der sie über das Thema sprechen können. 

 

Herausforderungen des Lebens annehmen

Neben der Kinderwunsch-Sprechstunde biete ich die mentale Geburtsnachsorge an. Dieses Angebot richtet sich an Frauen, die genau das haben, was den anderen fehlt: ein Kind! Obwohl die Lebensabschnitte der Frauen eng beieinander liegen und unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sie doch so viel gemeinsam. Um die belastende/traumatische Geburt vollkommen verarbeiten zu können, steht am Ende der Verarbeitung die heilsame Aussöhnung mit dem Erlebnis an: Hier geht es darum zu erkennen, was man während der Verarbeitung gelernt hat. Ist man selbstbewusster geworden, kann seine Bedürfnisse klar formulieren oder ähnliches. Meist stellen diese belastenden Erlebnisse wichtige Herausforderungen in unserem Leben da, an welchen wir wachsen und uns weiterentwickeln können. Und diese Herausforderung ist bei der einen Frau der Kinderwunsch und bei der anderen die Geburt. Zwei Situationen, die verschiedener nicht sein können, aber das gleiche Ziel verfolgen: Weiterentwicklung!   

 

Das Tal der Tränen - wenn wir neu lernen müssen, dass wir nicht den Ton angeben

Ursache der Misere bei beiden Problemen - Kinderwunsch und Geburtstrauma - ist der Zustand, dass wir merken keine Kontrolle zu haben. Keine Kontrolle über unseren Körper, der gerade keine Eisprünge mehr produziert, die Gebärmutterschleimhaut nicht adäquat aufbaut oder gleich ganz die Arbeit von Eileiter, Eierstock und Gebärmutter einstellt. Bei dem anderen Problem ist es der Kontrollverlust unter der Geburt, der durch verschiedenste Ursachen auftreten kann, z.B. wenn unser Körper einfach keine Wehen produzieren und den Muttermund nicht öffnen will, auch wenn wir uns noch so entspannen. Wir wollen etwas - jetzt und sofort. Entweder das Kind in unserem Bauch oder das Kind außerhalb unseres Bauches. Nur haben wir einen wichtigen Aspekt bei der Sache vergessen - unseren Körper! Genauer gesagt unseren Körper als Ausdrucksform unserer Seele. Doch habt ihr euch schon einmal gefragt, warum unser Körper gerade so reagiert, wie er reagiert? Warum baut er verdammt nochmal keine Gebärmutterschleimhaut auf, damit sich eine befruchtete Eizelle einnisten kann? Fehlt ihm etwas dazu? Ist kein Platz da? Warum sind die Eileiter verklebt? Was versperrt den Weg? Hadert ihr mit eurem Leben, wie es sein mag mit Kind? Wie sieht es dann beruflich aus? Traut ihr es eurem Körper zu, dass er eine Schwangerschaft und Geburt schafft? Warum möchtet ihr gerne ein Kind? Oder ist es der Partner, der eins / keins möchte?  Man kann den Fragenkatalog noch unendlich fortführen. Für jede(n) Betroffene(n) gilt dabei etwas anderes. Sich mit diesen Fragen zu beschäftigen ist ein wichtiger Teil im Rahmen des Kinderwunsches. Finden wir Antworten auf diese Fragen, können wir die ganze Situation besser erfassen, lernen uns selbst besser kennen und können womöglich das erste Mal in unserem Leben unsere wahren Bedürfnisse besser erkennen und artikulieren. Und wachsen vor allem als Paar zusammen, wenn wir dies gemeinsam tun. Und nicht wie bisher oft nur die Frau sich um den "Kinderkram" kümmert. Auch beim Thema Kinderwunsch brauchen wir eine gewisse Portion Emanzipation und Teamgeist. 

 

Sich selbst aus der Ohnmacht, dem Tal der Tränen befreien

Ein Tal ist definitionsgemäß eine Senke zwischen zwei Erhebungen. Folglich geht es an der einen Seite runter und danach an der anderen Seite wieder hoch. Im Tal der Tränen haben wir erkannt, dass wir kaum Kontrolle über unseren Körper haben können. Wir sind durch mehrere Hormonbehandlungen, Kryo's, IVF's oder ICSI's gegangen, haben alle möglichen Vitamine geschluckt, uns naturheilkundliche behandeln lassen und unseren Lebensstil angepasst. Und trotzdem lässt das Wunschkind auf sich warten. In dem wir uns mit den oben beschriebenen Fragen beschäftigen, dadurch mehr über uns und unsere Bedürfnisse, unsere Erwartungen und unsere Verhaltensmuster lernen, können wir dieses Tal wieder verlassen und uns auf den Weg zur nächsten Bergspitze aufmachen. Natürlich ist eine Bergbesteigung anstrengend, manchmal steinig oder rutschig. Wir müssen Pausen einlegen und unsere Kraft gut einteilen, damit Sie bis zum Ende des Weges reicht. Aber es lohnt sich. Das Gefühl etwas verändern zu können, sich trotz "körperlicher Trotzphase" weiter zu entwickeln bringt neue Schubkraft. Letztendlich kann es zur Umsetzung des oft und viel gesagten Ratschlags führen "Doch mal los zu lassen!"

In meiner Praxis begleite ich Frauen und Männer mit Hilfe der Kinesiologie ihren mental load positiv zu beeinflussen. Mit Hilfe der kinesiologischen Balance können wir entstandenen Stress im Bezug auf den Kinderwunsch aufdecken und entlasten. Die Weiterentwicklung voranbringen und Antworten auf die wichtigen Fragen finden. 

 

Ich wünsche mir, dass neben Spermiogrammen, Hormonspiegeln und der Berechnung von fruchtbaren Tagen ein Bewusstsein für die mentale Belastung der Betroffenen geschaffen wird. Angebote zur Erhaltung und Wiederherstellung der mentalen Gesundheit während der Kinderwunschzeit besser zugänglich sind und das Thema "ungewollte Kinderlosigkeit" endlich auf den Tisch kommt! 

 

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